CIT & Gaswerk Leopoldau

CIT und das Gaswerk Leopoldau – eine Geschichte

„Da oben gibt es ein riesengroßes leerstehendes Gelände!“. Mit diesen Wort einer Einzelperson wird im Sommer 2011 auf einen Schlag eine Gruppe junger Leute auf das ehemalige Gaswerk Leopoldau aufmerksam. Alle interessiert an Stadtentwicklungsprozessen und verbunden mit vielen Kulturschaffenden in Raumnot fängt das CIT collective an, Informationen über das Gaswerk zu sammeln und „live“ Blicke darauf zu werfen.

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Die Ideen hören nicht auf zu sprudeln. Konkrete Wünsche und Bedürfnisse aus der Kunstwelt, die zur Sprache kommen, finden hier auf einmal ihren Möglichkeitsraum. Einer neuer kreativer Stadtteil in Wien! Das, was es in allen anderen großen Städten auch gibt! Nein, kein zweites Museumsquartier, wo handverlesene Künstlerinnen gegen hohe Mieten Produkte in einer aufgehübschten Legebatterie produzieren. Einfach rein und dann schauen, was draus wächst! Die Stadt selber machen! Ein neues Sub-Zentrum für die Menschen im 21. Bezirk!

Aber wie anfangen? Besetzen? In Wien unmöglich: In zwei Wochen werden sie uns rausgetragen haben. Zwischennutzen? Nein, auch blöd. Wenn wir nämlich einen langen Prozess des „Wachsenlassens“ wollen, sind wir damit als Zwischennutzer_innen gerade dann mittendrin, wenn sie als „echte“ Nachnutzung die 0-8-15-Bürotempel draufbauen. Also: Konzept schreiben. Lange Nächte nach der Lohnarbeit. Viel Herumdiskutieren um Formulierungen. Recherche nach Beispielen aus anderen Städten. Immer versuchen, uns als Tür-Öffnerinnen zu sehen, um eine große Masse an Menschen einzubinden.

Konzept endlich fertig. Aber an wen schicken? Herr oder Frau „Gaswerk“ steht ja nicht im Telefonbuch. Wer ist da eigentlich zuständig? Einfach mal ins Rathaus schicken. Gesagt, getan – keine Antwort. OK, dann eben der Vize-Bürgermeisterin Vassilakou auf einer Veranstaltung in der Garderobe persönlich in die Hand drücken. Wieder Stille. Wochen später nach mehrmaligem Nachbohren: Ein Termin mit ihrem Referenten für Städtebau. Der befindet die Idee für prinzipiell wünschenswert – aber das hieße ja nichts. Denn die Zuständigkeit für das Gaswerk lägen in mehreren Händen. Endlich bekamen wir mehr Informationen über Zuständigkeiten. Gleichzeitig aber erlebten wir die Perversität stadtverwaltungsinterner Kommunikation mit, wenn es um die einfache Frage geht „Was hat ‚die Stadt‘ eigentlich mit dem Gaswerk vor?“: Der Referent fragt Maria Vassilakou, seine Chefin – die Stadträtin für Stadtplanung. Diese verfasst eine schriftliche Anfrage an ihre Kollegin (wohlgemerkt: andere Partei!), in deren Zuständigkeit die Stadtwerke fallen. Diese muss dann bei der in städtischer Hand befindlichen Firma „WienEnergie“ nachfragen. Letztere noch bei ihrer Unterfirma „WienEnergie – Gasnetz“. Auch wenn diese an „stille Post“ erinnernde Kommunikationskette nicht abreißt, muss die Antwort allerdings denselben Weg zurückfinden – sofern es überhaupt eine klare geben sollte. Uns wurde zugesagt: Wir würden informiert. Monate vergingen: Keine Antwort. Auch auf Nachfrage bei dem uns bekannten Referenten. Letzterer hatte irgendwann den Job nicht mehr inne – Personalwechsel und immer noch Stille.

Viele Treffen ohne viel Energie – Langeweile. Trotzdem immer stärker der Wunsch: Selbst aktiv werden. Wenn die Stadtverwaltung gelähmt ist, sollten wir umso aktiver sein! Presse? Öffentlichkeitsarbeit! Kontaktaufnahme mit den Anrainerinnen. Ideen von ihnen. Initiativen aus der Kunst- und Kulturwelt! Vernetzen mit ähnlichen Projekten in anderen Städten!

Schnitt. „Es gibt einen Call der Stadt Wien!“: Größte Empörung und gefallene Kinnläden in der Gruppe: Jetzt machen die einen Ideenwettbewerb, obwohl wir seit einem Jahr versuchen, eine Idee, die sogar auch einen Prozess beinhaltet, zu kommunizieren versuchen? Klammheimlich veröffentlicht – nirgends in den bunten Blättchen der Stadt Wien die Rede davon. Dabei haben wir den Pomp um die Wiener Charta und die angebliche gewaltige Partizipationswelle noch in den Ohren. Sogar die Architekt_innen in unserem Kollektiv mussten erst von Kolleg_innen über die Ausschreibung informiert werden. 3 Wochen Zeit für Ideen für ein Gesamtkonzept: Viel zu kurz, besonders dann, wenn man in Gruppen arbeiten will. Schließlich geht das ja nur in der Freizeit – also dann, wenn man eh schon müde ist und anderes vorhat. Und überhaupt: Ohne Architekt_in/Stadtplaner_in und Kammermitglied zu sein, dürfen wir eh nicht mitreden. Das Echo von Steinhof und anderswo verhallt noch stechend in unseren Ohren. Aber juchu: Wenn wir uns anstrengen, dürfen wir in der Sub-Sub-Kommission vielleicht eine von drei Personen sein, die die Meinung und Ideen des „gemeinen Volks“ vertritt.

Was nun? So kann das nicht gehen. Beim Wettbewerb mitmachen ist nicht nur ungewollt und unmöglich, sondern das Gegenteil von dem, an was wir mehr als ein Jahr gedacht haben: Die Dinge langsam wachsen lassen, tausende Menschen ihre eigenen Träume verwirklichen lassen. Kein Abriss und dann ein Neubau, sondern eine Annahme des Status Quo und DANN viele kleine Veränderungen. Oder auch nicht. Sich Stadt entwickeln lassen, statt schnell einen Gesamt-Entwurf zu entwickeln. Daher haben wir mit unserem Postkarten-Aufruf und einem eMail-Feuer einen parallelen, alternativen Ideensammlungsprozess gestartet. Mit diesem haben wir mit einem Knopfdruck mehr Menschen erreicht, als die Ausschreibung der Stadt Wien. Mit der gewonnen Aufmerksamkeit werden wir in Zukunft noch mehr Menschen über die Machenschaften von Großbauprojekten in Wien informieren. Denn das Gaswerk ist nur ein Beispiel von vielen…

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Ein Kommentar zu “CIT & Gaswerk Leopoldau

  1. Pingback: Gaswerk Leopoldau: CIT-Collective lädt ein | urbaniZm

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