Wien & Gaswerk Leopoldau

Der MASTERPLAN ist da!

Einer Fragmentierung  der ehemals kommunalen Fläche Gaswerk Leopoldau durch den Verkauf an noch zu findende Bauträger scheint nichts mehr entgegen zu stehen – FAST nichts mehr, bis auf die von der Stadt Wien abzusegnende Flächenwidmung, die die im Masterplan vorgesehene Ausnutzung der Flächen für Wohnen und Gewerbe bis Ende 2014 genehmigen soll. Für die derzeit noch als Betriebsgelände gewidmete und kontaminierte, großteils denkmalgeschützte und daher schwer vermittelbare Immobilie soll nun über ein Verfahren zur Standortentwicklung der WSE eine für potentielle Käufer und Projektentwickler sichere und lukrative Investitionslandschaft hergestellt werden. Die Eigentümer in Kooperation mit den Gesellschaftern der WSE – Wiener-Standort-Entwicklung, sehen auch eine Zwischnennutzung vor. CIT fordert seit 2011 eine kulturelle NACHnutzung des Geländes anstatt einer ZWISCHENnutzung, die allein dazu dient, auf dem Rücken kreativer Pioniere eine symbolische Aufwertung zu erreichen. Von dem sozialen Engagement und den kulturellen Angeboten und dem damit verbundenen Bedeutungs- und Perspektivenwechsel auf den Brachenraum erhofft man sich einerseits , die vormals kritischen Stimmen der Raumpioniere an die Brust drücken zu können sowie auch eine breitere Akzeptanz der bevorstehenden Privatisierung und Kommerzialisierung der Leopoldau in der Öffentlichkeit.

Masterplan_koopPlanungsVerf

ERGEBNISSE aus dem Kooperativen Verfahren für zukünftige Bebauungen:

  • Ca. 140.000m² Bruttogeschoßfläche Wohnen entspricht in etwa 1.400 Wohneinheiten
  • Ca. 70.000m² anderwertige Nutzung (z.B. Gewerbe, Nahversorger)
  • Bauplatzübergreifende Grünraumgestaltung (z.B. Fortführung der Allee)
  • Vier dezentrale Hochgaragen
  • Sondernutzungen für die denkmalgeschützten Gebäude

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Nun ist es soweit!

Das KOOPERATIVE PLANUNGSVERFAHREN *NEULEOPOLDAU* ist ABGESCHLOSSEN!

…und eine 0815-Vorstadtsiedlung scheint beschlossene Sache…

In einer Pressemitteilung können die 0815-Beschlüsse, die zu einer 0815-Großwohnsiedlung für mittel und besser verdienende Kleinfamilien mit Hund und Auto und Österreichpass führen werden, trotz und gerade weil von großen und berühmten Persönlichkeiten hübsch umworben, dennoch nicht vor der Banalität hinwegtäuschen, mit der nun unsensibel unter sich begraben wird, was das weltstädtische Potenzial, das am Gaswerksgelände noch immer in den Relikten in Form einer einmal groß gedachten sozial-utopischen Haltung schlummert, für eine Gesellschaft im Umbruch in der zerrissenen Gegenwart und fragilen Zukunft bedeuten würde.

Wien, so klein, so konservativ, so starr, so feig.

http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20130627_OTS0051/kooperatives-planungsverfahren-fuer-neu-leopoldau-abgeschlossen

 

„KANN ICH MEINE TOMATEN WIRKLICH auf einem Nährgrund mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), Cyanid, Phenol und Kohlenwasserstoffen ANBAUEN?

…laut mündlicher Rechtfertigung der Geschäftsführung der Entwicklungsgesellschaft „NeuLeopoldau“ kann bedenkungslos Gemüse angebaut werden… (Aussage erfolgte bei einer schlecht angekündigten AnrainerInnnenveranstaltung am 26.Juni 2013 am Gaswerk Leopoldau)

…wir prüfen nach und stossen auf eine STUDIE VOM UMWELTBUNDESAMT ÜBER die VERUNREINUGUNG des GASWERK LEOPOLDAU:

„Der Altstandort “Gaswerk Leopoldau” ist einer der großen Gaswerksstandorte in Wien mit einer Fläche von 440.000 m², auf dem im Zeitraum von 1911 bis 1969 Stadtgas hergestellt wurde. Auf dem Standort ist eine großflächige und tiefreichende Verunreinigung des Untergrundes vor allem mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), Cyanid, Phenol und Kohlenwasserstoffen vorhanden. Vom Altstandort geht eine massive Grundwasserbeeinträchtigung aus. Ein Verunreinigung des Grundwassers wurde bis in eine Entfernung von 200 m nachgewiesen. Das Grundwasser wird für Bewässerungszwecke verwendet.“

QUELLE und LINK: http://www.umweltbundesamt.at/umweltsituation/altlasten/altlasteninfo/altlasten3/wien/w20/

STÄDTEBAULICHER WETTBEWERB *NEULEOPOLDAU*

Wir möchten hier Informationen zum eigentlich Call weitergeben und erhoffen uns dadurch höhere Beteiligung sowie ein breiteres Spektrum an Einreichungen.

Here we would like to pass on some information about the actual call and hope for a high degree of participation and a wide range of proposals.

Auch wollen wir hier unser nunmehr lange angestautes Wissen teilen, das einem größeren Publikum oft verwehrt bleibt.

Secondly, this page aims at sharing the knowledge that we have gathered over quite some time, which in fact mostly doesn’t reach a larger audience.

  • Auf der offiziellen Begehung für die angemeldeten Wettbewerbs-Teilnehmer_innen am 19.10.12 wurden folgende Informationen gegeben:
    • Es sollen mehr oder weniger nur „alle gelben“ Gebäude (also die wegen des Jugendstil denkmalgeschützten) bleiben – die Industriebauten und -Anlagen werden abgerissen. Somit wird dem Gelände ein Teil seiner Geschichte geraubt, aber auch sein Charme kommt abhanden. Ferner wird bei der großen Anzahl an Neuplanungen der „organische“ Charakter zerstört, der sich durch den Mix der alten Anlagen ergeben würde, wenn sie umgebaut, integriert und als Gesamtareal nutzbar gemacht würden. Ferner verschlingt jeder Abriss und Neubau ein Vielfaches mehr an Energie, als es durch Umbau der Fall wäre – die Stadt Wien, die sich gern grün und nachhaltig gibt, macht sie hier einmal mehr unglaubwürdig.
    • Weiters sollen die zwei dem Gelände seine Identität verleihenden Gas-Kugelbehälter abgerissen werden, was an sich traurig ist. Dabei ist noch anzumerken, dass mit dem Erlös des Metalls aus dem Abriss der Kugelbehälter derzeit ein sehr hoher Marktpreis erzielt werden kann – Verscherbelung pur.
    • Auch wenn immer wieder betont wird, dass es sich nicht um einen Wettbewerb, sondern einen offenen und kooperativen Planungsprozess handle: „Fachlich“ mitreden dürfen nur drei „Gewinnerteams“ (d.h. etablierte Planungsbüros, die eine Kammermitgliedschaft haben), die dann doch erst einen Wettbewerb durchlaufen müssen.
    • Nur die drei Gewinner-Teams bekommen die Dekontaminations-Berichte aus dem Jahr 2006 zu sehen. Die ältesten Daten über die Kontamination des Areals, die das cit-collective offen zugänglich auftreiben konnten, stammen aus dem Jahr 2001 und sind höchst unaktuell. Es ist demokratiepolitisch äußerst bedenklich, dass Daten, die für der Gesundheit Aller (das Grundwasser des Areals speist Brunnen im Marchfeld, woher wiederum der Großteil des wiener Gemüse stammt!) eine große Relevanz haben, hermetisch unter Verschluss gehalten werden – noch dazu, wenn sie sich auf eine Fläche beziehen, die im Besitz der öffentlichen Hand ist.
    • Der Call bzw. das Verfahren wird in keiner der vielen Informationshefte behandelt, die in regelmäßigen Abständen in alle wiener Haushalte verschickt werden. Zum Vergleich: Das angebliche „Flaggschiff“ der Partizipation in Wien, die „Wiener Charta“ wurde monatelang medial breitgetreten! Beim Gaswerk versuchen sich das Rathaus und Vize-Bürgermeisterin Vassilakou ebenfalls mit einem der partizipativsten Prozesse aller Zeiten zu beweihräuchern – nur weiß paradoxerweise niemand davon. Architekt_innen mussten davon erst über Kolleg_innen erfahren, die zufällig auf der Internetseite vorbei schauten, die in regelmäßigen Abständen interessante Aufträge bereit stellt. Die Bevölkerung hat davon gar nichts mitbekommen. Ebenfalls wurde das cit-collective nicht informiert, obwohl es von sich aus schon vor einem Jahr im Rathaus einen (viel partizipativeren, offeneren und stressfreieren) Prozess für die Nachnutzung des Gaswerks anleierte und ihm versichert wurde, es würde über die weiteren Schritte informiert.
  • Uns ist zu Ohren gekommen, dass eine Gruppe anderer Künstler_innen mit der Stadt Wien über eine kulturelle Zwischennutzung (also nur temporär; was das cit.collective will, ist eine Nachnutzung!) im Gespräch ist. Obwohl der Stadt Wien unser sehr ähnlich gelagertes Vorhaben seit einem Jahr bekannt ist, wurden wir bewusst ignoriert, während nun eine andere Gruppe Gespräche führen darf – und wir darüber hinaus auch nicht mit ihnen vernetzt wurden. So schaut’s aus in der „kooperativen“ Planung der Stadt Wien. Liebe besagte Künslter_innen: Wenn ihr dies lest: Meldet euch doch bei uns!

04.11.12: Mittlerweile ist der Architekturbüro-Wettbewerb längst abgeschlossen. Aus 12 Büros in der engeren Auswahl wurden drei nach Vorträgen ausgewählt, um beim weiteren Planungsprozess dabei zu sein.

Die Entwicklungsgesellschaft hat über die öffentliche Veranstaltung am 19.10. einen Artikel ins Netz gestellt, den es in einigen Bereichen zu kommentieren gilt:

  • schon der Titel „Erfolgreiche AnrainerInnenveranstaltung“ lässt fragen, worin denn eigentlich der „Erfolg“ einer solchen Veranstaltung besteht – oder bestehen sollte. Fest steht: Von erfolgreicher Information im Vorfeld kann nicht gesprochen werden: 1000 Postwurfsendungen und keinerlei Medienbericht reichen als Einladung zu einer derart wichtigen Veranstaltung einfach nicht.
  • „Gemeinsam wurde die weitere Entwicklung dieses Areals besprochen.“: Dieser Satz zergeht auf der Zunge! Einer Führung mit einigen Erläuterungen folgte ein Informationsveranstaltung im Frontalunterrichts-Stil. Niemals wurde die Frage gestellt: „Gibt es Fragen?“. Eine Diskussion kam nicht zustande; in die kleinen Plaudereien in den Themenecken, die nur wenige Minuten dauern konnten, waren nur sehr wenige Personen involviert. Gemeinsam wurde hier gar nichts besprochen. Ein schon vorhandener Plan wurde ausführlich erklärt – das ist alles. Dies ist im Artikel ohnehin einige Zeilen tiefer als Ziel angegeben: „Ziel der Veranstaltung war es, schon am Beginn des Prozesses die AnrainerInnen detailliert über das Projekt zu informieren“
  • Zur „Wichtigkeit, die betroffenen AnrainerInnen ehestmöglich in die Entwicklung miteinzubeziehen“: Wäre ehestmöglich nicht Ende der 1990er Jahre gewesen, als die Auflassung des Gaswerks beschlossen wurde? Oder vielleicht Mitte der 2000er Jahre, als diese Auflassung Stück für Stück realisiert wurde? Mindestens aber dann 2010, als auch die letzten Arbeitskräfte das Areal verließen? Allerspätestens wäre eine Einbeziehung notwendig gewesen, bevor von der Stadt Wien, der WienEnergie-Gasnetz, der WienHolding, der Neu-Leopoldau-Entwicklungsgesellschaft und dem Büro stadtland die Rahmenbedingungen für den jetzigen Prozess minutiös festgelegt wurden. Ende 2012 nach mehr als einem Jahrzehnt Leerstand von „ehestmöglich“ zu sprechen, ist blanker Hohn.
  • Auch der Schlusssatz bedarf einer Kommentierung: „Insgesamt zeigten die etwa einhundert anwesenden Personen reges Interesse am Event und bestätigten den einhelligen Tenor, dass es höchste Zeit geworden ist, das Gaswerk „wachzuküssen“.“ Wie schon erwähnt, kam keinerlei Diskussion zustande – sie war auch nicht in die Tagesordnung eingeplant. Von den 100 anwesenden Personen trauten sich zwei, eine (Verständnis-)Frage zu stellen.
  • Es ist überhaupt höchst merkwürdig, von „regem Interesse“ an einem „Event“ zu sprechen, wo es sich doch eigentlich um eine politisch höchst brisante und jede/n Bürger/in angehende Sache handelt. „Events“ werden heute zur Belustigung inszeniert – sie haben nichts mit Beteiligung zu tun.
  • Und nein: Es war durchaus kein „einhelliger Tenor“ vorhanden, das Gaswerk wachzuküssen. Mindestens ein Herr brachte lautstarkt zur Kenntnis, dass er sich wünsche, das Gelände wie bisher ungenutzt als Grün-/Brachen-Fläche zu belassen.

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Ein Kommentar zu “Wien & Gaswerk Leopoldau

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